Veranstaltung schön, lieb, treu und naiv… 46x Frauen porträts

Lesunhg mit Uta Eisold und Ayana Goldstein

Es taugt was. Luzide. Lustig. Hintergründig. 3 Wörter fallen mir sofort ein nach der Lektüre
dieser kurz und kürzest Glücks- und Unglücksgeschichten von Alexandra Pätzold. Sie kann was.
Die studierte Kunstgeschichtlerin und Gesprächstherapeutin, Jahrgang 1943, die in Marburg und in Frankfurt lebt und arbeitet, „erzählt“ von einer Reihe fiktiver – wirklich fiktiver ? – älterer
und alter Frauen, blitzgescheite Momentaufnahmen. Skurrile Momente finden sich, missglückter Liebeswahn, Sammelwut, Mutterglück. Jedem der 10 Kapitel ist ein Bild einer Künstler_in zugeordnet, auch dies recht „hinterhältig“, bitte als Kompliment verstehen. In jedem Kapitel – DUMM – NAIV – HERZ – usw. finden sich 4 oder 6 Porträtierte. Die Leserin glaubt alle diese Frauen zu kennen. Ilschen, Helga, Annabel, Bettine, Waltraud, Iris, wie sie alle heißen. Bisschen verrutschte, huschelige, kluge, wütende Frauenspersonen, oft mutig, kühl in ihrem Begehren. Künstlerinnen oder im akademischen Bereich tätig. Hier hätte sich die Leserin, aber was gibt’s zu meckern, einen größeren Kreis gewünscht. Manchmal tritt das Psychologisierende im Ton/fall der Autorin zu stark hervor.
Vermeintlich einfache Sätze, am Ende eine überraschende Wendung. Die Pointe sitzt. Klasse.
Wunderbar das ironische Selbstporträt bei „Ilschen“. Die Leserin musste lachen.
Was ist Alexandra Pätzold zu wünschen – 2007, das muss unbedingt erwähnt werden, war sie Preisträgerin des in Kassel ausgeschriebenen Zweiter Nordhessischer Autorenpreis (3.Preis)?
Dass sie so überraschend unverkrampft weiter schreibt und dabei amüsant bleibt. Die Leserin hat lange kein Buch, dessen Einband anspricht, man hält es gern in Händen, die Schrift ist groß, mit wirklicher Freude gelesen. Sie kann was. Die Dame Pätzold. Es taugt.

Marburg, 9.März 2015
gez. Anna Rheinsberg